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25. Dezember 2017 - Feiertagsmorgen

Schenken

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Von Olga Hochweis

Schenken bedeutet Wertschätzung. In der ersten Hälfte des 4.Jahrhunderts hat Nikolaus von Myra, der heilige Nikolaus, seine Wertschätzung den Armen gegenüber gezeigt, als er sein gesamtes Vermögen an sie verteilte. Längst ist es gute Tradition, speziell zur Weihnachtszeit für Menschen zu spenden, denen es nicht so gut geht.

Wer selbst in Wohlstand und Sicherheit lebt, kann sich umgekehrt vielleicht noch mehr über Geschenke freuen, die unerwartet und unbezahlbar sind - ein Überraschungsbesuch, ein gemeinsamer Spaziergang, ein langer (handgeschriebener) Brief. Solcherlei Aufmerksamkeiten erfreuen ganzjährig, jenseits von Einkaufsstress und überfüllten Kaufhäusern in der Adventszeit.
Die vielbeklagte Reduzierung des Schenkens auf den reinen Warenaustausch ist keine Erfindung unserer Zeit. Theodor W.Adorno machte sich dazu schon vor vielen Jahrzehnten Gedanken. Er schrieb im 21.Aphorismus von “Minima Moralia”:

Theodor W. Adorno

“Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: Das Gegenteil von Vergeßlichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, daß man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer.”

Man darf auch heute anderer Meinung sein. Gerade in einer materiell übersättigten Gesellschaft gibt es auch gegenteilige Trends: Freude am bewussten Schenken und viele kleine und gute Ideen. Wer statt viel Geld lieber einige Zeit und Gedanken investiert, der wird besonders häufig belohnt mit leuchtenden Augen. Und fühlt sich damit vielleicht selbst am meisten beschenkt.

Die Playliste der Sendung