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Quatuor Ébène

Brazil

Das Streichquartett ist eigentlich der klassischen Musik Allerheiligstes – und als Ensemble hat man sich bitte schön dementsprechend zu benehmen. Crossover-Projekte werden nicht so gern gesehen – ganz abgesehen, dass sie meist auch nicht gutgehen – wenn es sich nicht gerade um Musiker wie die des Quatuor Ébène handelt. Das zeigen sie wieder einmal bei ihrer neuen CD „Brazil“.
Reflexmäßig würde man dieses Album zu dieser Vor-Fußball-WM-Zeit in Brasilien als anbiedernden Versuch eines großen Klassiklabels abtun, aus dem bevorstehenden Großereignis Profit zu schlagen – wenn nicht das Ensemble selbst wäre. Sie spielen nicht nur Mozart, Fauré oder Haydn zum Niederknien – sie können auch Latino: Standards, neue Songs, ohne dass es jemals peinlich wäre. Natürlich haben sie auch hochkarätige Unterstützung, etwa von der großartigen Jazzsängerin Stacey Kent oder dem französischen Chansonnier Bernhard Lavilliers. Die sind zwar auch keine waschechten Bossa-Musiker aber es funktioniert – der Swing ist da, die Leichtigkeit ebenso wie die sonnige Schwermut, keine Spur von jener verkrampften Lässigkeit, die klassische Ensembles bei solchen Projekten fast immer an den Tag legen.
Also – eine wunderbare CD, die nicht mehr will als mit dem unwiderstehlichen Flair südamerikanischer und vor allem brasilianischer Musik zu spielen, und daraus kein künstliches Avantgarde-Projekt macht. Sehr, sehr schön. Mascha Drost

****1/2

Erato