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Quadriga Consort

Musikalische Gänsehaut - schaurig schön

Es gibt Musik, die einfach für die dunklen Monate des Jahres geschaffen ist, wie keine andere. Und genau solche Musik findet sich auf dem Album „14 Tales of Mystery“ des Grazer Quadriga Consorts. Klar wäre die Nacht des Samhain, die „Nos Calan gaeaf“ (Nacht des Winteranfangs), volkstümlich heutzutage auch Halloween betitelt, die ideale Nacht für die Lieder der Grazer, doch eigentlich reicht da auch jede andere - nebelverhangene, melancholische, mondlose - Nacht der dunklen Jahreszeit. Und so schaurig wird es nicht, eher dann doch schaurig schön, denn die Musiker spielen mit einem Verve und mit einer Hingabe, die so manche „Folk“band erblassen lassen würde.
Die sieben Consortisten sind so etwas wie ein Bindeglied zwischen traditioneller und Früher Musik. Aber das haben ja auch schon Sänger wie Alfred Deller vor ihnen praktiziert. Denken wir nur an seine grandiosen Einspielungen der „Folksongs and Ballads“ - doch was Deller machte und was das Consort hier macht, sind zweierlei Paar Schuhe. Zwar ist beiden die Liebe zu den britischen Inseln und deren Folklore eigen, doch Deller konnte nie über seinen Kunst(lied)schatten springen, die Quadriga-Musiker dagegen definieren ihre Kunst von unten, aus dem Volk, heraus. Das - oft schnöde behandelte - Volkslied ist für sie der Urquell ihrer Musik und aus dem schöpfen sie ohne Hemmungen. Denn - mit einigen wenigen Ausnahmen - sind es gerade die sogenannten Volkslieder, die uns Menschen in den Seele schauen oder aus jener heraus ihre Leid, die Liebe und die Hoffnung singen. Nikolaus Newerkla, Leiter und Cembalist des Consorts, hat die Lieder sehr einfühlsam arrangiert, was nicht weiter wunder sollte, hat er doch im Beiheft dieser 14 „grusligen Lieder“ geschrieben „dies sei seine Welt und könnte er, wie er wollte, dann würden alle Quadriga-Alben nur aus drei bis vier zwanzigminütigen Balladen bestehen.
Wäre ja keine schlechte Idee, die Kunst der Ballade endlich wieder einmal von ihren Ketten zu befreien und sie in ihrer ganzen Schönheit zu präsentieren. So aber müssen wir uns vorerst mit Lieder von rund sechs Minuten Länge bescheiden, aber immerhin Minuten, die gefüllt sind mit den schaurigen Geschehnissen der britischen Insel und ihrer Geister- und Spukwelt. Wenn zwei Schwestern sich in Eifersucht entzweien oder die Geliebte so sehr trauert, dass der Gestorbene aus seinem Grab heraus klagt, lass mich in Frieden ruhen, dann sind die Elfen und Hexen, die alten Götter der Steinringe nicht fern. Und letztlich regt dieses Album an, zu reisen, die Stätten zu besuchen, die hier besungen werden. Warum also nicht im nächsten Sommer zu den „Standing Stones of Orkney“, die liegen in der Capa Flow-Region bei Stennes. Aber auf jeden Fall nicht vergessen die CD „14 Tales of Mystery“ als Reisebegleitung einzupacken. Uwe Golz

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