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Françoise Hardy

Midnight Blues



Die Beatles und Bob Dylan umschwärmten sie einst in Paris und zwangen sie dazu, englisch zu radebrechen. Françoise Hardy sagt über ihre berühmten Zeitgenossen: „Die waren alle dauerhaft so benebelt, dass ein normales Gespräch eh nicht möglich gewesen sei.“ Wie gut das Englisch von Francoise Hardy wirklich war, kann man auf der neuen CD „Midnight Blues“ mit ihren alten Songs überprüfen.

In Frankreich galt Françoise Hardy lange als launenhafte, aber absolut verehrungswürdige Künstlerin. Aber Frankreich behandelt seine Musiker ja ganz anders als der Rest der Welt – und vergisst sie auch nicht, wenn sie älter werden. Jetzt hat das auf Oldies spezialisierte englische Label Ace Records mit „Midnight Blues“ eine CD auf den Markt gebracht, auf dem sich ausschließlich englische Songs von Hardy finden. Keine neuen Songs sondern alte, zwischen 1968 und ‘72 in englischer Sprache eingesungene Lieder.
Zwar gibt es von der französischen Chansonnette unzählige Platten, viele davon sind auch auf CD wiederveröffentlicht worden oder auseinandergepflückt und für Compilations neu zusammengestellt worden. Was keinen wundert, das Françoise-Hardy-Archiv ist riesig, hat sie ihren ersten Plattenvertrag doch vor über 50 Jahren unterschrieben. Was also ist das Besondere an dieser neuen CD? Zum einen wäre da das Cover-Foto, das allein schon den Kauf rechtfertigen würde: Eine sehr junge und vor allen sehr schöne Françoise Hardy ist da im Profil abgebildet. Zum Zweiten die Songs: Die sind zwar schon einmal auf den Alben „En Anglais“, „If You Listen“ und „One-Nine-Seven-Zero“ veröffentlicht worden, aber das war eben Ende der 60er, Anfang der 70er. Eine ganze Reihe davon sind heute schwer oder gar nicht mehr zu bekommen, nicht einmal als Download. Und zum Dritten ist da natürlich die Ära, aus der diese Lieder stammen: nach den Studentenunruhen, in einer Zeit, als leichter Pop nicht mehr viel zu melden hatte und eine neue Ernsthaftigkeit einzog.

Außerdem ist wirklich ganz sinnvoll, die englischen Songs einmal zusammenzufassen – selbst wenn da noch einige fehlen: Francoise Hardy sagt, ihre Plattenfirma habe sie damals verpflichtet, Platten in italienischer, deutscher und englischer Sprache aufzunehmen. Sie selbst könne sich das gar nicht mehr anhören. Sollte sie aber: Denn ihr deutlicher Akzent ist wirklich charmant. Martin Böttcher