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Bob Dylan

Together Through Life

Sony Columbia

Jede neue Platte Bob Dylans löst ein Erdbeben aus – so scheint es jedenfalls. Kein anderer Künstler auf dieser Welt, mit Ausnahme vielleicht von Van Morrison, kann trotz griesgrämig zur Schau getragener Unnahbarkeit, noch immer auf eine solch solide und große Fangemeinde bauen – und das immerhin nach fast 50 Jahren im Geschäft – wie dieser Mann, der einst aus Duluth in Minnesota nach New York kam um am Sofa der Familie, den Songs von Woody Guthrie zu lauschen.
Nun also Studioalbum 33 – „Together Through Life“ und (erstaunlich) nicht nur die Fans jubeln. Die Frage bleibt: Was wäre die Musik des späten 20.Jahrhunderts ohne diesen Robert Allen Zimmerman? Man hat Doktorarbeiten über ihn, seine Texte und seine Musik geschrieben – und doch, trotz aller Erklärungsversuche, der Mann, der sich sein Pseudonym einst vom walisischen Dichter Dylan Thomas („Unterm Milchwald“) entlehnte, konnte sich immer wieder allen Deutungen entziehen. Daran hat sich auch nichts mit diesen 10 neuen Songs geändert. Dylan war wieder einmal auf Spurensuche, wollte wieder einmal – wie schon vor 16 Jahren und fast in allen seiner „Radio Theme Hours“ (eine davon ist übrigens in der Deluxe-Ausgabe der CD zu hören) die Wurzeln seiner Musik ergründen. Doch was wirklich wundert und erstaunt, der 67jährige kommt so locker und leicht über die Rampe, so entspannt, wie nie zuvor in seiner Karriere. „Together Through Life“ ist nicht erhaben, sondern – für dylansche Verhältnisse - fröhlich. Seine Weisen erzählen von Liebe, Veränderungen und vom fernen, paradiesischen Land der Träume. Das liegt für den Dylan 2009, wie für den Rest der New York intellektuellen Schickeria in Mexiko (jedenfalls vor der Schweinegrippe). Diesen Touch Rootmusic unterstreicht denn auch David Hidalgo, Akkordeonist der Band Los Lobos mit einem Hauch von Tex-Mex, sodass schnell Erinnerungen an Ry Cooder und Flaco Jimenez und der „Chicken Skin Revue“ wach werden. Was soll man also von diesem Dylan halten? Nichts oder alles? Will er überhaupt, dass man etwas von ihm hält? Sicher ist, der alte Folkpoet, der Griesgram, der nur selten lacht oder lächelt, der sich mit dem Nimbus des Unansprechbaren umgibt und seit Jahrzehnten sein Image wechselt, wie andere Leute ihre Unterhosen, ist immer für eine Überraschung gut – und das ist gut so, und das ist Dylan. Der Ehrendoktor der Columbia-Universität hat mit dem Alter, so scheint es jedenfalls, auch eine Ebene der Gelassenheit erreicht, die ihm einen nostalgischen Blick zurück in der Zeit, auf seine Weise aber auch in die Zukunft erlaubt.
Er hat den Wechsel in der amerikanischen Gesellschaft schon gespürt, bevor Barack Obama zum Präsidenten wurde. Ein Prophet also, der - ausnahmsweise - auch im eigenen Land gilt.
Ohne Bob Dylan, der den Rock mit seinen Texten und Songs von der Herz-Schmerz-Fraktion befreite, Micky Maus wieder in die Comicwelt zurückschickte, scheut sich nicht von Liebe zu singen. Das Schöne bei ihm ist, er reimt nicht Liebe auf Triebe und setzt Hiebe – er findet Worte, die andere niemals gekannt haben und dadurch findet er immer wieder den Weg zu seinen Fans und eben – wie bei „Together Through Life“ – den Weg zu einem Meisterwerk. Mit diesen neuen Songs wird eine junge Generation durchs Leben gehen, wie einst eine andere Generation sich fragte, auf wie vielen Straßen man eigentlich wandern muss, um sich selbst zu finden. ego

Wertung: *****