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L'Écume des jours - Der Schaum der Tage

Zwischen Ellington und dem Surrealen

Der französische Schriftsteller, Schauspieler, Chansonnier und Jazz-Trompeter Boris Vian schrieb 1946 den Roman „L'Écume des jours“ – „Der Schaum der Tage“. Zu seinen Lebzeiten blieb er damit weitgehend erfolglos. Erst in den 60er und 70er Jahren wurde die tragisch-absurde Liebesgeschichte zum Kultbuch – jetzt verfilmt von Frankreichs vielleicht verspieltestem Regisseur, Michel Gondry. Klanglich untermalt wird die Liebesgeschichte zwischen Chloé (Frankreichs Strahleaugen und - mund Audrey Tautou) und Colin (Romain Duris) – wie sollte es anders sein – von jeder Menge Jazz und insbesondere der Musik von Duke Ellington (und da fehlt auch nicht der A‘ Train), dem Vian in Paris zu einigen Auftritten verholfen hat.
Vians Buch (und damit auch der Film) ist voller Träumereien und Anspielungen, wie zum Beispiel der Karikatur des französischen Vorzeige-Intellektuellen Jean-Paul Sartre – in diesem Fall Jean-Sol-Partre. Den Original-Sartre konnte Vian übrigens nicht besonders gut leiden, nachdem dieser ihm seine Frau ausgespannt hatte; den Jazz, und ganz besonders Duke Ellington, den liebte er dagegen, weswegen es auch nicht überraschend ist, dass Regisseur Michel Gondry bei seiner Filmversion von „Der Schaum der Tage“ – teilweise auch basierend auf schriftlich festgehaltenen Anweisungen des Autors – einen sehr jazzlastigen Soundtrack zusammengestellt hat. Irreführend ist in diesem Fall die Musik zum Trailer des Films: der inzwischen doch etwas nervige „Lumineers“-Ohrwurm „Ho Hey“, der zwar auch auf dem Soundtrack zu finden ist, stilistisch aber doch etwas aus dem Rahmen fällt.
Wesentlich besser hat sich da Etienne Charry als Komponist des Scores von „Der Schaum der Tage“ an der Grundstimmung der Geschichte und auch an der vianschen Wunschmusik orientiert, in dem nicht nur den Jazz, sondern auch das Surreale, dieses Absurd-Verträumte in seine Stücke einfließen lässt. Vincent Neumann

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Mercury

Das Album zum Film