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Alberto Iglesias

Die Zwei Gesichter des Januars

Ziemlich genau ein halbes Jahrhundert nach seinem Erscheinen hat es der Patricia Highsmith-Roman „Die Zwei Gesichter des Januars“ auf die große Leinwand geschafft: Viggo Mortensen, Oscar Isaac und Kirsten Dunst sind die herausragenden Akteure auf diesem stilvollen 60er-Jahre-Nostalgie-Trip mit seinen tollen Bildern und der großartigen Musik des Spaniers Alberto Iglesias.
Nein, “Die zwei Gesichter des Januars” ist kein neu entdeckter Hitchcock-Film; der Soundtrack kommt auch nicht von dessen langjährigen Stammkomponisten Bernard Herrmann – und trotzdem erinnert vieles daran. Das liegt natürlich zum einen daran, dass auch Hitchcock seinerzeit schon auf eine Buchvorlage von Patricia Highsmith zurückgegriffen hat, genau wie jetzt Hossein Amini; stilsicher und mit wunderschönen Bildern inszeniert der Regie-Debütant die mörderische Dreiecks-Geschichte im dekorativen Griechenland Anfang der 60er Jahre. Zum anderen lebt der Film von seinen großartigen, aber subtilen Schauspielern, allen voran „Herr der Ringe“-Star Viggo Mortensen und Oscar Isaac, der sich zuletzt als glückloser Songschreiber in „Inside Llewyn Davis“ einen Namen machen konnte.
Doch all das wäre nichts wert ohne den großartigen Soundtrack von Alberto Iglesias. Seine Musik ist nicht nur eine wunderbare Hommage an die frühen 60er Jahre; in diesen doppelbödigen Klängen entlarvt er schon zu Beginn des Films die Hauptfiguren als das, was sie wirklich sind: Hinter den glanzvollen Fassaden, dem weltoffenen Gentleman und dem hilfsbereiten Fremdenführer, verstecken sich nämlich in Wahrheit ein stinknormaler Betrüger und ein gelangweilter Tagedieb, die sich schlicht und einfach um eine Frau streiten.
„Die Zwei Gesichter des Januars“ ist ein altmodischer Film, doch gerade, was die Musik angeht, ist das in diesem Fall vielleicht das größte Kompliment für Alberto Iglesias – eine Erinnerung an das große silberne Zeitalter der Filmmusik. Vincent Neumann

****1/2

Quartet Records