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A Million Ways To Die In The West

Joel McNeely

Eine Charlize Theron macht aus „A Million Ways To Die In The West“ noch lange keinen Western, leider. Und wer ist überhaupt auf diese Idee gekommen? So dümpelt das einst so beliebte Genre auch weiterhin im filmischen Abseits und die grotesken Bemühungen von Seth MacFarlane die Mär vom Wilden Westen wiederzubeleben, sind gescheitert. Zwar hat sich Regisseur, Hauptdarsteller, Autor und Produzent MacFarlane mit seinen Slapstick-Einlagen sicher auch durch die karibischen Piraten inspirieren lassen, aber Jack Sparrow sei verflucht, wo ist denn nun der Schatz. Die Antwort:
In der Musik von Joel McNeely. Die lässt hören, was das hätte werden können und wenn Countrystar Alan Jackson den Titelsong anstimmt, werden Erinnerungen wach an „How The West Was Won“ oder „High Noon“.
Seth MacFarlane bricht mit jeder Western-Tradition, nur um sie zu persiflieren, sollte man das Kunst nennen? Eher Unvermögen. Ganz anders Filmkomponist McNeely. In seiner Musik ersteht der alte Westen, so wie wir ihn aus Filmen wie „Die glorreichen Sieben“ oder „Weites Land“ kennen, aus den Trümmern des Genres neu.

Zwar gehört McNeely zu den eher Unbekannten im Filmmusikgeschäft, aber die schönsten Blumen blühen ja meist im Verborgenen und man sollte nicht vergessen, in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts durfte der junge Indiana Jones seine Abenteuer in der Glotze zu McNeelys Musik bestehen. Für diese abermillionen Wege im Westen sein Leben zu lassen, griff er nun beherzt in die Hollywood-Western-Kiste und im Geiste reiten da die Altvorderen von Dmitri Tiomkin über Elmer Bernstein bis zu John Williams mit. Und was er für dieses eher - sagen wir es mal ganz vorsichtig - unterirdische Slapstick-Western-Spektakel in Noten und auf CD gebannt hat, ist den Film mehr als alles andere wert. Variationsreich lässt er die Geschichte um Liebe und typische Showdowns in seine Musik einfließen. Und wenn einige Kritiker meinen bei MacFarlanes Film von der Sezierung des Amerikanischen Traums sprechen zu müssen, dann findet die wirkliche Sezierung dieses Traums in der Musik statt. Das ist gekonnt, das ist hintersinnig, verlangt aber vom Hörer (und Kritiker gucken ja meist nur) Kenntnis der großen Western-Melodien.
Wie soll ich es also ausdrücken? Gehen sie ins Kino - meinetwegen schauen sie sich „verzückt“ Charlize Theron an, lachen sie ruhig über den Klamauk - aber es reicht, einfach der Musik zu lauschen und an die wirklich großen Western zu denken. Uwe Golz

****1/2

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